Ich verbinde historische Machtkritik mit somatischer Praxis — nicht weil es ein gutes Framework ist, sondern weil es mein eigenes Leben ist.
Ich bin in einem Kontext aufgewachsen, der einem nicht viele Türen öffnet. Relative Armut. Ein Nervensystem, das früh gelernt hat: Wachsamkeit ist Überleben. Kompensation ist Strategie. Beweisen ist normal.
Mit siebzehn bin ich von Elmshorn nach Rottweil gegangen — in ein katholisches Internat, um Altgriechisch, Latein und Hebräisch zu lernen. Nicht weil jemand mir diesen Weg gezeigt hätte. Sondern weil ich wusste: Hier komme ich nicht weiter.
Ich habe geglaubt, dass Bildung Systeme heilt. Dass es in einer Welt der Bildung gerechter zugehen muss als dort, wo ich herkomme.
Diese Annahme hat sich differenziert.
Bildungsinstitutionen reproduzieren Klassenstrukturen. Die Menschen dort sind nicht weniger verletzt — sie sind nur besser darin, es zu verbergen. Das hat meinen Blick geschärft: für das, was wirklich wirkt. Und was nur so aussieht.
Ich beantworte E-Mails, gehe auf Demos — und denke: Was mache ich hier eigentlich? Es verändert sich nichts.
Gleichzeitig zuhause: drei neurodivergente Kinder, meine eigene Neurodivergenz voll da. Ich will Frieden und Freiheit in die Welt bringen — und merke, dass ich selbst auf Reserve fahre.
Ich habe dann viele Jahre lang geglaubt, dass mehr Wissen hilft. Philosophie. Islamwissenschaft. Kulturanthropologie. Psychologie. Coaching. Buch um Buch. Und irgendwann ist mir etwas aufgegangen, das mich gleichzeitig befreit und desillusioniert hat:
Es ist alles dasselbe. Unter jedem dieser Systeme, jeder Methodik, unabhängig davon ob sie sich Traumatherapie nennt oder politische Theorie oder somatische Praxis — liegt derselbe Kern. Dieselbe Grundfrage. Dieselbe menschliche Not.
Nicht im Sinne von „Noch mehr leisten". Sondern: mein System so regulieren, dass ich Verantwortung tragen kann, ohne daran zu zerbrechen.
Menschen verändern sich nicht, wenn sie mehr wissen. Sie verändern sich, wenn ihr Körper endlich erlaubt, sich zu verändern.
Ich kenne Armut nicht als Konzept, sondern als Erfahrung. Ich kenne den Weg durch Bildung — was er öffnet und was er nicht leisten kann. Ich kenne die Erschöpfung von Frauen, die kämpfen, weil sie nie gelernt haben, dass sie auch empfangen dürfen.
Und ich kenne den Weg raus — nicht als Theorie, sondern als gelebte Praxis.
Nicht als Metapher. Nicht als spirituelle These. Als philosophisch zwingende und wissenschaftlich belegbare Wahrheit: Heilung geschieht dort, wo die Trennung entstanden ist — im Körper.
Persönliche Transformation ohne strukturellen Kontext ist Luxus. Ich verbinde somatische Arbeit mit historischer Analyse — weil beides ohne das andere unvollständig ist.
Klasse, Herkunft, Neurodivergenz, Care-Arbeit — diese Achsen sind nicht abstrakt. Sie prägen, wie das Nervensystem arbeitet. Meine Arbeit berücksichtigt das.
Ich arbeite mit dem, was ist. Nicht mit dem, was sein sollte. Kein Auflösen in Licht, kein Wegatmen von dem, was weh tut.
Ich sage, was ich sehe. Ich mache keine Versprechen, die ich nicht halten kann. Sicherheit ist kein Produkt — aber ein erreichbarer Zustand.
Deine innere Arbeit nützt dir — und der Welt. Das eine ohne das andere ist möglich, aber es ist nicht, wofür ich stehe.
Ich erforsche, wie Zugehörigkeit durch Geschichte, Gemeinschaft und Körper entsteht — und wie tragfähige Netze Wandel ermöglichen.
Starte mit dem Quiz — oder schau dir an, wie wir tiefer zusammenarbeiten können.